Großmutters Apfel, ein Tag im Gefängnis

Heute haben wir etwas länger geschlafen, da Volker wieder nachtaktiv war und irgendetwas gejagt ist.

Während wir unser Zelt abbauen, krabbelt ein Skorpion unten raus.

160214-2ADU-012Ein Hauch von patagonischem Seitenwind begleitet uns durch die hügelige Landschaft. Geschorene Schafe grasen auf ihren Weiden, Eukalyptusbäume ragen mit ihren knochigen Ästen in den Himmel. Die Briefkästen sind hier auch einen Fotostopp wert. Heute ist Sonntag und alle Biker scheinen unterwegs zu sein.

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Wir essen frischen Fisch und lassen unser Motorrad fotografieren.

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Unser nächster Campingplatz hat definitiv Duschen. Er liegt im Tasman Nationalpark. Wir haben es doppelt gecheckt und freuen uns. Vorsichtshalber tragen wir uns nur für eine Nacht ein und werfen das Geld in den Kasten. Ein kleines Felsenkänguru begrüßt uns.

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Ein kurzer Weg durch das Gebüsch führt zu einem weißen Sandstrand.

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Die Duschen und Plumpsklos haben wir in der Nähe. Sie funktionieren nur mit Marke. Die Marke gibt es nur im Office. Office ist heute geschlossen.

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1868 entdeckte Maria Ann Smith, damals schon Großmutter, auf Tasmanien eine Apfelsorte. Der grüne Leckerbissen Granny Smith dürfte auch heute noch jedem ein Begriff sein 🙂

Wir besuchen die historische Stätte Port Arthur. Das Strafgefangenenlager wurde 1833 für Wiederholungstäter angelegt.

In den folgenden Jahrzehnten erlangte Vandiemensland (damaliger Name von Tasmanien) traurige Berühmtheit für die scheußlichen Bestrafungen und die unmenschlichste Behandlung von Strafgefangenen in britischen Kolonien. Die Insel galt als meistgefürchtetes, schrecklichstes Deportationsziel. In den 1850er Jahren war jeder zweite Bewohner ein Sträfling.

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Am Sonntag den 28. April 1996 wurde der Geschichte von Port Arthur ein schlimmes Kapitel hinzugefügt. Ein Amokläufer nahm 35 Menschen das Leben und verwundete 19 weitere.

Jetzt müssen wir uns beeilen, bevor der gemeldete Regen einsetzt. Wir schaffen es gerade noch, das Zelt neben dem Pavillon aufzustellen und fliehen unter das Dach. Dies entpuppt sich allderdings als sehr löchrig, was einen ständigen Stellungswechsel verursacht.

Ich genieße die Dusche, während Volker Gesellschaft bekommt. Ein Norweger mit seiner Ténéré. Er hat etwas länger bis hierher gebraucht. Seit Juni 2014 ist er unterwegs und hat viel zu erzählen. Im Facebook ist er registriert unter ¨An Idiot and his motorbike going abroad¨.

Die Nacht wird mit 5°C saukalt. Zum Frühstück bekommen wir Besuch von einem älteren Herrn. Der Engländer ist 79 Jahre alt, irgendwann nach Kanada ausgewandert und lebt seit 20 Jahren in Australien. 56 Jahre hat er als Maler gearbeitet und ist alleine mit einem gemieteten Camper unterwegs. Schick sieht er aus mit seinem gelben Strickpullover, kariertem Jackett, grauen Jogginghose und braunen Halbschuhen. Auf dem iPad zeigt er uns Bilder von seiner letzten Wanderung.

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4 Kommentare on "Großmutters Apfel, ein Tag im Gefängnis"

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Axel
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Herzlichen Glückwunsch Volker, wir wünschen dir Alles Liebe und Gute zum Geburtstag!
Vor allem weiterhin eine schöne und unfallfreie Reise. Viele liebe Grüße an Claudi!
Axel & Wanida

Werner
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Lieber Volker, zu deinem 50. Geburtstag gratulieren wir dir aus der Ferne, von ganzem Herzen alles Gute, wünschen wir dir gerne. Tasmanien suchst du dir zum Feiern aus, auch noch nen halben Tag zu früh, macht uns nichts aus. Volker, wie man ihn kennt, stets seiner Zeit voraus, feiert er mit Claudi, weit weg von uns zu Haus. Gewissenhaft verfolgst du deine Ziele, und davon hast du ja bekanntlich viele. Ob Perth, Albany und viele Städte am Meer, deine Liste wird nicht so schnell leer. Mit deinem gepimpten Super-Bike ist dir kein Weg zu weit. Du hast auch an alles… mehr »
Wolfgang Kölsch
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Wolfgang Kölsch

Hi Volker, Claudia durfte wieder aus dem Knast?
Tolle Bilder und Berichte.

Jack A. Eliassen
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Jack A. Eliassen

Greetings to the „crazy Norweger“ 😉

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